1. Die Gründung und die Bultaco-Verbindung (1998)
Die Geschichte beginnt mit Marc Teissier, einem ehemaligen Trial-Profi und Geschäftsmann (Mitbegründer von Scorpa).
- Der Traum: Teissier wollte die legendäre Ära von Bultaco wiederbeleben. 1998 erwarb er die Markenrechte am Namen Bultaco.
- Das erste Modell: Das erste Motorrad erschien 1999 unter dem Namen Bultaco Sherco.
- Namensänderung: Aufgrund von Markenrechtskonflikten (insbesondere mit dem Reifenhersteller Bridgestone, der Rechte am Namen Bultaco in bestimmten Bereichen hielt) musste der Name geändert werden.
- Das Akronym: So entstand der Name SHERCO – ein Kofferwort aus dem legendären Bultaco-Modell SHERpa und COmpany.
2. Strategische Expansion (2001–2010)
Sherco wuchs schnell über seine Trial-Wurzeln hinaus:
- Kauf von HRD (2001): Sherco übernahm die Überreste der prestigeträchtigen französischen Marke HRD (die wir zuvor besprochen haben). Dies war der Grundstein für den Einstieg in den Enduro-Markt und die Produktion von 50-cm³-Leichtkrafträdern.
- Zwei Standorte: Sherco ist ein französisch-spanisches Unternehmen. Die Trial-Maschinen werden in Caldes de Montbui (Spanien) gebaut (nahe Barcelona, dem Herz des Trial-Sports). Die Enduro- und Supermoto-Modelle werden im Hauptwerk in Nîmes (Frankreich) produziert.
- Innovation: 2004 präsentierte Sherco als erster Hersteller eine Enduro mit elektronischer Kraftstoffeinspritzung (450er 4-Takt) – lange bevor die japanischen Riesen dies im Offroad-Bereich flächendeckend taten.
3. Übernahme von Scorpa (2009)
Ein emotionaler Meilenstein für Marc Teissier war das Jahr 2009. Seine ursprüngliche Firma Scorpa stand vor dem Bankrott. Teissier kaufte die Marke zurück und gliederte sie in die Sherco-Gruppe ein. Seitdem werden Scorpa-Trial-Motorräder mit Sherco-Technik weitergeführt.
4. Sherco heute: Ein Global Player
Heute gilt Sherco als die „blaue Alternative“ zu den österreichischen KTM-Modellen:
- Sportliche Erfolge: Sherco ist in der Hard-Enduro-Weltspitze (mit Fahrern wie Mario Roman und Wade Young) und bei der Rallye Dakar (Werksteam mit TVS) extrem erfolgreich.
- Modellpalette: Sie bieten eine vollständige Palette von 125 cm³ bis 500 cm³ (2-Takt und 4-Takt) an.
- Philosophie: Marc Teissier bezeichnet Sherco oft als das "Ducati des Geländesports" – eine Marke, die weniger auf Masse, sondern auf exklusive Technik, Handlingsstärke und "Ready-to-Race"-Qualität setzt.
