Bereits 1907 eröffnete Ernesto Ancillotti in Florenz eine Werkstatt für die damals noch neuen Automobile und Motorräder.
Spezialisierung: Sein Sohn Gualtiero führte die Tradition fort und eröffnete 1938 eine eigene Werkstatt ("G. Ancillotti - Specialità Moto"). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er bekannt für technische Innovationen, wie etwa ein patentiertes gefedertes Fahrwerk für die damals massenhaft verfügbaren Militär-Harleys.
Ende der 60er Jahre begannen Gualtiero und seine Söhne Alberto und Piero, eigene Motorräder zu bauen.
Die Scarab: 1968 erschien die legendäre Ancillotti Scarab. Sie wurde zum Symbol für leichte, leistungsstarke Geländemaschinen (50ccm bis 250ccm). Das Markenzeichen war der Mistkäfer (Skarabäus) auf dem Tank, inspiriert von einem Relief an einer historischen Eiskammer in Florenz.
Rennsport-Erfolge: In den 1970ern dominierte Ancillotti den italienischen und europäischen Geländesport. Sie gewannen 15 italienische Meistertitel und zahlreiche Goldmedaillen bei den "Six Days" (ISDE).
Innovationen: Ancillotti war technischer Vorreiter. Sie führten u. a. Kegelrollenlager im Steuerkopf (1969) und das revolutionäre Pull-Shock-System (1980) ein, bei dem der Dämpfer auf Zug statt auf Druck belastet wird.
Marktdruck: Wie viele europäische Marken litt Ancillotti in den 80ern unter der starken japanischen Konkurrenz und einem schwindenden Interesse am Enduro-Sport.
Produktionsstopp: 1985 musste das Werk in Sambuca Val di Pesa schließen. Insgesamt wurden bis dahin über 40.000 Motorräder produziert.
Die Mountainbike-Ära (1990er bis heute)
Dritte Generation: Tomaso Ancillotti (Sohn von Alberto) übertrug das Know-how aus dem Motorradbau auf Fahrräder.
Spezialisierung: Heute ist die Marke in der Mountainbike-Szene (Downhill und Enduro) eine Legende. Sie fertigen in Handarbeit extrem exklusive Rahmen aus Aluminium, die weiterhin das markante Pull-Shock-System nutzen.
Status: Die Marke wird heute als "Historische Marke von nationalem Interesse" in Italien geführt.