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Corte & Cosso
  

1. Der Spezialist aus Turin

Das Unternehmen hatte seinen Sitz in Turin und spezialisierte sich früh auf High-End-Stoßdämpfer für den Wettbewerbseinsatz. In einer Zeit, in der die Serien-Fahrwerke vieler Motorräder (vor allem der japanischen) bei harten Sprüngen schnell an ihre Grenzen stießen, bot Corte & Cosso die Lösung für Profis.

2. Die technologische Vorreiterrolle

Corte & Cosso war berühmt für die Perfektionierung der Gasdruck-Stoßdämpfer.

De Carbon-System: Die eigentliche Erfindung der Trennung von Öl und Gas durch einen schwimmenden Kolben stammt von dem Franzosen Christian de Carbon (bereits 1952). Er hielt die Patente auf dieses "Einrohr-Gasdruck-System". Corte & Cosso war in Europa einer der ersten Lizenznehmer des De-Carbon-Systems für den Motorradbereich.

In den frühen 1970ern waren sie technologisch führend, weil sie das System bereits in Serie produzierten, während Marken wie Sachs oder Marzocchi noch mit reinen Öldämpfern (Emulsionsdämpfern) arbeiteten.

Sie nutzten das Prinzip der Trennung von Öl und Gas durch einen schwimmenden Kolben, was das gefürchtete "Aufschäumen" des Öls bei starker Beanspruchung verhinderte. Ihre Dämpfer waren oft an den markanten, externen Ausgleichsbehältern (Reservoirs) zu erkennen, die für eine bessere Kühlung des Dämpferöls sorgten.

3. Erstausrüster der Edel-Marken

Corte & Cosso wurde zum Standard für fast alle europäischen Top-Marken der Zweitakt-Ära. Fast alle Hersteller hatten Modelle mit diesen Dämpfern im Programm: AIM, Beta, Cagiva, Fantic, Maico, SWM, TGM

4. Die Verbindung zu Öhlins

Ein interessanter Wendepunkt in der Geschichte war die Kooperation mit Öhlins. In den frühen Jahren der schwedischen Marke (bevor Öhlins Weltmarktführer wurde) gab es eine Zusammenarbeit: Corte & Cosso produzierte zeitweise Federbeine unter Öhlins-Lizenz für den südeuropäischen Markt. Viele der frühen "Öhlins"-Dämpfer an italienischen Bikes waren eigentlich bei Corte & Cosso gefertigte Einheiten.

5. Das Ende

Mit dem Siegeszug der Zentralfederbeine (Monoshock) Anfang der 80er Jahre und dem massiven Preisdruck durch japanische Zulieferer (wie Showa und Kayaba) sowie der wachsenden Dominanz von WP (White Power) und der Eigenständigkeit von Öhlins verlor Corte & Cosso nach und nach seine Marktanteile. Das Unternehmen zog sich schließlich aus dem Motorrad-Erstausrüstermarkt zurück. Das Unternehmen war Teil der italienischen Industriegruppe Cofap (ein brasilianischer Gigant, der damals viele italienische Zulieferer aufkaufte). Später gingen wesentliche Teile der Produktion und der Markenrechte in den Magneti Marelli Konzern über.

Heute findet man den Namen "Corte & Cosso" gelegentlich noch in Handelsregistern oder als Teil von Firmenportfolios im Bereich von Industrie-Stoßdämpfern oder Automobil-Zulieferteilen (oft im Zusammenhang mit Dämpfungssystemen für Nutzfahrzeuge oder Züge), aber die Verbindung zum Motorradsport ist gekappt.

Last edited: 1/1/2025 · Jürgen Wißler